„Wir müssen gestalten“ – wie WEPTECH vom Ingenieurbüro zum Technologieunternehmen wurde
Aus einem Ingenieurbüro entstand in der Südpfalz ein Technologieunternehmen mit heute 400 Beschäftigten.
Aus einem Ingenieurbüro entstand in der Südpfalz ein Technologieunternehmen mit heute 400 Beschäftigten. WEPTECH entwickelt und produziert in Landau Elektronik, Funktechnik und Lösungen für die digitale Energiewelt. Der Weg dorthin verlief alles andere als geradlinig – und vielleicht liegt genau darin eine der Stärken des Unternehmens.
Eigentlich hätte WEPTECH mehrfach eine völlig andere Firma werden können.
Bildverarbeitung, Leistungselektronik für Gabelstapler, Netzwerktechnik, Funkkommunikation, Smart Metering: Die Geschichte des Landauer Technologieunternehmens verläuft nicht entlang eines geraden Businessplans. Immer wieder brachen Geschäftsfelder weg, neue Technologien tauchten auf und Entscheidungen mussten getroffen werden.
Vielleicht liegt gerade darin der Schlüssel zu einer Entwicklung, die 1990 mit einem kleinen Ingenieurbüro begann und heute bei einem Technologieunternehmen mit mehreren hundert Beschäftigten angekommen ist.
Und angefangen hat vieles mit einer überraschend einfachen Frage: „Kannst du es auch liefern?“
Entwickeln – und plötzlich auch produzieren
Oswald Maurer arbeitete Anfang der 1990er-Jahre im Bereich industrielle Bildverarbeitung. Ihn beschäftigte dabei ein Problem, das in technischen Projekten immer wieder auftaucht: Statt für jeden Auftrag eine individuelle Sonderlösung zu entwickeln, wollte er Systeme schaffen, die zuverlässig funktionieren und reproduzierbar eingesetzt werden können.
1990 machte er sich mit einem Ingenieurbüro selbstständig.
Dann kam ein Auftrag eines amerikanischen Unternehmens. Maurer sollte untersuchen, warum ein technisches System nicht funktionierte. Er analysierte das Problem.
Darauf folgte die erste Frage: Könnte er eine Lösung entwickeln, die funktioniert?
Das konnte er.
Dann kam die zweite: „Kannst du es auch liefern?“
Rückblickend steckt in dieser Frage bereits ein großer Teil der WEPTECH-Geschichte. Denn aus einem Ingenieurbüro, das technische Lösungen entwickelte, musste plötzlich ein Unternehmen werden, das diese Lösungen auch herstellen konnte.
1994 wurde WEPTECH in Herxheim gegründet.
Entwicklung und Produktion sollten von nun an immer stärker zusammengehören.
Warum gerade Landau?
Zunächst arbeitete WEPTECH bei der Fertigung mit einem Elektronikunternehmen in Herxheim zusammen. Als diese Zusammenarbeit einige Jahre später endete, stand Maurer vor einer grundlegenden Entscheidung:
Einen neuen Produktionspartner suchen – oder selbst produzieren?
WEPTECH entschied sich für die eigene Fertigung. Dafür brauchte das Unternehmen einen neuen Standort. Dass es schließlich Landau Stadtmitte wurde, war dabei nicht das Ergebnis einer großen Standortstrategie. Es gab verfügbare Flächen und Erweiterungsmöglichkeiten. Entscheidend waren aber auch die Menschen, die bereits für das Unternehmen arbeiteten.
„Es waren vorwiegend die Mitarbeiter, die hier aus diesem Einzugsgebiet kamen“, erinnert sich Maurer. Ein weiter entfernter Standort hätte bedeutet, einen Teil dieser Mannschaft möglicherweise zu verlieren.
Als WEPTECH zusätzlich rund zwölf Mitarbeiter aus der bisherigen Fertigung übernahm, verdoppelte sich die Belegschaft praktisch auf einen Schlag.
Landau wurde damit nicht nur zu einem neuen Produktionsstandort.
Die Entwicklung des Unternehmens blieb eng mit der Region und den Menschen verbunden, die hier lebten.
Ein großes Geschäft – und plötzlich ist es weg
In den folgenden Jahren wuchs WEPTECH in neue technologische Bereiche hinein.
Ein wichtiger Entwicklungsschritt war die Leistungselektronik. Gemeinsam mit einem Unternehmen aus Kaiserslautern entstanden unter anderem Steuerungen für elektrische Antriebe von Gabelstaplern.
Aus dem Projekt entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit ein bedeutender Geschäftsbereich. Know-how wurde aufgebaut, Mitarbeiter kamen hinzu, das Geschäft wuchs. Doch genau dieser Erfolg zeigte auch eine Schwäche.
Ein großer Teil des Geschäfts hing von Entscheidungen anderer Unternehmen ab. Nach Veränderungen bei Kunden und Produktionsverlagerungen brach dieser Bereich für WEPTECH schließlich weg.
Kurz darauf traf die Dotcom-Krise das Unternehmen zusätzlich. Nach Maurers Erinnerung stammten damals rund 30 Prozent des Umsatzes aus IT- und Netzwerkprojekten.
Wieder stellte sich eine grundsätzliche Frage:
Was macht man, wenn ein wichtiger Markt plötzlich verschwindet?
Personal abbauen? Kosten reduzieren? Warten, bis sich das Geschäft wieder erholt?
Maurer entschied sich für einen anderen Weg.
WEPTECH sollte neue technologische Felder erschließen.
Zurück zu den eigenen Wurzeln
Dabei ging Maurer zunächst zurück zu etwas, das er selbst besonders gut kannte: Funktechnik.
Noch vor seiner Zeit in Deutschland hatte er in Timișoara in diesem Bereich studiert. Nach den Erfahrungen mit den Krisen begann WEPTECH, Funkkommunikation systematisch als neues Technologiefeld aufzubauen.
Das Unternehmen holte zusätzliche Entwicklungskompetenz ins Haus und kam dadurch immer stärker mit digitalem Metering in Berührung – also mit der Kommunikation und Übertragung von Messdaten.
Dann entstand in Deutschland ein neuer Markt: das Smart-Meter-Gateway.
Plötzlich passten mehrere Kompetenzen zusammen, die WEPTECH über Jahre aufgebaut hatte: Funktechnik, Elektronikentwicklung, Fertigung und die Kommunikation von Messgeräten.
Maurers Überlegung war dabei relativ einfach:
Wenn die Energieversorgung zunehmend von erneuerbaren und damit schwankenden Energiequellen geprägt wird, muss ein Stromsystem stärker messen, kommunizieren und steuern können.
Also würde dafür neue Technik benötigt. WEPTECH entschied sich, früh einzusteigen.
2013 begann für das Unternehmen ein mehrjähriger Weg hin zur zertifizierten Fertigung von Smart-Meter-Gateways. Im Dezember 2018 erhielt WEPTECH nach Maurers Darstellung als erstes Unternehmen die entsprechende Zertifizierung für die Serienproduktion.
Fünf Jahre Vorbereitung für eine Technologie, deren großer Markt zu diesem Zeitpunkt erst im Entstehen war. Auch das ist typisch für die Geschichte des Unternehmens.
Lieber früh einsteigen
Maurer beschreibt WEPTECH heute deshalb nicht einfach als Elektronikfertiger.
Engineering sei seit den Anfängen Teil der DNA des Unternehmens. Zwar werde ein großer Teil des Umsatzes in der Fertigung erwirtschaftet. Entscheidend sei aber, in welchen technologischen Feldern WEPTECH arbeiten wolle.
„Wir steigen eigentlich immer ganz vorne in neue Technologien ein“, sagt Maurer.
Seine Definition des Unternehmens fällt entsprechend aus:
„Wir sind eigentlich ein Technologieunternehmen mit einem relevanten Anteil Fertigung.“
Heute konzentriert sich WEPTECH unter anderem auf Anwendungen in den Bereichen Energie, Wasser und Industrie – häufig verbunden durch moderne Funktechnologien.
Dabei sucht das Unternehmen nach Maurers Worten nicht einfach nach möglichst vielen Fertigungsaufträgen.
Interessant seien Projekte, die technologisch zur eigenen Ausrichtung passen.
Das Ziel: möglichst früh gemeinsam mit dem Kunden eine Lösung entwickeln und diese anschließend bis zur industriellen Fertigung begleiten.
Was entsteht eigentlich in dieser Produktionshalle?
Wer durch die Fertigung in Landau läuft, sieht zunächst das typische Bild einer modernen Elektronikproduktion: Leiterplatten, Bestückungsanlagen, Prüfstationen, Bauteile und fertige Baugruppen.
Was daraus am Ende wird, ist wesentlich vielfältiger.
WEPTECH entwickelt und fertigt elektronische Baugruppen und Geräte für unterschiedliche technische Anwendungen. Hinzu kommen eigene Funk- und Kommunikationslösungen – beispielsweise Module, Sensorik, Kommunikationsadapter und Gateways, über die Geräte und Messsysteme miteinander kommunizieren können.
Ein wichtiger Schwerpunkt liegt inzwischen im Energiesektor.
Doch die Wertschöpfung endet zunehmend nicht mehr mit dem fertigen Gerät.
Denn wenn ein Zähler oder Sensor Daten überträgt, stellt sich unmittelbar die nächste Frage: Wo kommen diese Daten eigentlich an?
Auch damit beschäftigt sich WEPTECH inzwischen.
Neben Hardware gehören deshalb zunehmend Plattformen, Gateways und Systeme zur Verarbeitung und Weiterleitung von Messdaten zum technologischen Spektrum.
Aus einem Ingenieurbüro, das einmal eine technische Lösung entwickeln und anschließend auch liefern wollte, wird damit Schritt für Schritt ein Unternehmen, das immer größere Teile einer technologischen Kette abbildet.
Wachstum verändert ein Unternehmen
Diese Entwicklung hat WEPTECH in den vergangenen Jahren stark wachsen lassen.
Mehrere hundert Menschen arbeiten inzwischen für das Unternehmen. Und Oswald Maurer spricht erstaunlich offen darüber, dass Wachstum nicht nur eine Erfolgsmeldung ist. Es verändert ein Unternehmen.
WEPTECH komme aus einem sehr direkten, pragmatischen Hands-on-Umfeld. Entscheidungen wurden schnell getroffen, Probleme unmittelbar gelöst.
Doch mit zunehmender Größe müssen Strukturen, Prozesse und Organisation mitwachsen. Und das gelingt nicht immer im gleichen Tempo. Maurer bringt die Herausforderung auf einen einfachen Satz:
„Unser Geschäft wächst schneller, deutlich schneller, als die Organisation nachwachsen kann.“
Das verändert auch die Anforderungen an neue Mitarbeiter.
Maurer stellt Bewerbern deshalb gerne eine grundsätzliche Frage:
Verwalter oder Gestalter?
„Wir brauchen keine Verwalter“, sagt er. „Wir müssen gestalten.“ Der Satz klingt fast wie eine Unternehmensphilosophie. Er beschreibt aber gleichzeitig das Spannungsfeld, in dem sich WEPTECH inzwischen bewegt.
Ein wachsendes Unternehmen braucht Strukturen. Es braucht Menschen, die Erfahrung aus größeren Organisationen mitbringen. Und es muss Prozesse aufbauen, ohne dabei jene Beweglichkeit zu verlieren, die das Wachstum erst ermöglicht hat.
Maurer schließt deshalb selbst nicht aus, dass WEPTECH zeitweise etwas langsamer wachsen muss, damit die Organisation nachkommen kann.
Wenn der KI-Boom plötzlich in Landau ankommt
Eine weitere Herausforderung zeigt, wie eng selbst ein Unternehmen in der Südpfalz inzwischen mit weltweiten Technologiemärkten verbunden ist.
Künstliche Intelligenz beschäftigt WEPTECH dabei derzeit weniger wegen der Frage, welche Aufgaben künftig Maschinen übernehmen könnten.
Die Auswirkungen zeigen sich vielmehr beim Materialeinkauf. Der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren sorgt für enorme Nachfrage nach Speichertechnologien und Halbleitern. Maurer berichtet, dass WEPTECH bei einzelnen Speicherchips inzwischen zwischen dem 15- und 20-Fachen früher üblicher Preise bezahlen müsse.
Das Unternehmen kaufe deshalb bereits Komponenten für die zweite Jahreshälfte 2027 ein.
Eine Entwicklung, die von großen KI-Rechenzentren irgendwo auf der Welt ausgeht, wird damit unmittelbar zur Einkaufs-, Lager- und Produktionsfrage in Landau.
Das größere Problem: Menschen
Noch grundlegender ist für Maurer allerdings eine andere Herausforderung: Fachkräfte.
Vor allem Menschen mit technischer und akademischer Ausbildung seien schwer zu finden. Maurer sieht das Problem dabei nicht erst am Ende der Ausbildungskette, wenn Unternehmen offene Stellen nicht besetzen können.
Für ihn beginnt es wesentlich früher. In den Schulen.
Bei der Frage, ob Kinder und Jugendliche überhaupt Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik entwickeln.
Deshalb engagiert sich Maurer unter anderem im Technologienetzwerk Südpfalz und beschäftigt sich mit MINT-Förderung und der Zusammenarbeit mit Hochschulen.
Dabei geht es ihm auch um die Frage, ob Ausbildungs- und Studieninhalte mit dem Tempo technologischer Entwicklungen mithalten.
Maurer formuliert es zugespitzt: Die Industrie habe in manchen Bereichen die Lehre überholt.
Für ein Unternehmen, dessen Strategie darin besteht, besonders früh in neue Technologien einzusteigen, wird die Verfügbarkeit von Wissen und qualifizierten Menschen damit zu einer genauso wichtigen Zukunftsfrage wie die nächste technische Innovation.
"Der Erfolg des Unternehmens ist nicht das Werk eines Einzelnen, sondern Ergebnis der Arbeit vieler engagierter Mitgestalter und vieler fleißiger Hände. "
Dass er den Erfolg nicht sich selbst zuschreibt, sondern der Mannschaft, ist ein Gedanke, auf den Maurer im Gespräch immer wieder zurückkommt.
Ein „Hidden Champion“? Noch nicht
Interessant ist auch Maurers Blick auf das eigene Unternehmen. Als WEPTECH einmal als „Hidden Champion“ ausgezeichnet werden sollte, lehnte er die Bezeichnung ab.
Die Kriterien dafür seien klar definiert, sagt Maurer. Ein Unternehmen müsse international zu den führenden Anbietern seines Marktes gehören.
So weit sieht er WEPTECH selbst noch nicht.
Am Ende entstand für die damalige Auszeichnung eine andere Kategorie: „Hidden Gem“.
Die kleine Episode passt zu einem Unternehmer, der über technologische Ambitionen durchaus selbstbewusst spricht – bei Etiketten für das eigene Unternehmen aber vorsichtiger ist.
Dabei könnten sich gerade in Europa neue Möglichkeiten ergeben.
Die Digitalisierung der Energiesysteme, höhere Sicherheitsanforderungen und die zunehmende Vernetzung von Stromerzeugern und Verbrauchern sind längst keine rein deutschen Themen mehr.
Die Erfahrungen, die WEPTECH über Jahre im stark regulierten deutschen Smart-Meter-Markt gesammelt hat, könnten dadurch auch außerhalb Deutschlands wichtiger werden.
Und in zehn Jahren?
Zum Ende unseres Gesprächs geht es deshalb nicht um Umsatz.
Nicht um Mitarbeiterzahlen.
Und auch nicht um die nächste Funktechnologie.
Die Frage lautet vielmehr:
Was soll WEPTECH in zehn Jahren sein – und was soll es nicht sein?
Maurers Antwort kommt kurz.
WEPTECH solle auf keinen Fall „ein Spielball für Finanzinvestoren“ werden.
Sondern:
„Ein Unternehmen, in dem die Menschen, die hier arbeiten, bestimmen, wo es langgeht.“
Vielleicht ist damit auch die Frage vom Anfang beantwortet.
Warum ist aus WEPTECH trotz all der Wendepunkte nicht irgendwann eine völlig andere Firma geworden?
Weil sich Technologien, Märkte und Produkte zwar immer wieder verändert haben – ein Prinzip aber geblieben ist:
Nicht darauf warten, dass jemand anderes vorgibt, wohin die Reise geht. Sondern selbst entscheiden, welche Technologie als Nächstes relevant wird.
Selbst entwickeln. Selbst produzieren.
Und sich verändern, wenn es notwendig wird.
Oder, wie Oswald Maurer es formuliert: „Wir müssen gestalten.“