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Härtetest vor der Haustür: Dachser und Mercedes testen den Fernverkehr von morgen zwischen Wörth und Karlsruhe

rein elektrische Lkw und Fahrzeuge mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Elektroantrieb · Daimler Truck

Daimler Truck will im Mercedes-Benz-Werk Wörth am Rhein eine Kleinserie von 100 Brennstoffzellen-Lkw des Typs NextGenH2 fertigen. Die ersten Fahrzeuge sollen ab Ende 2026 bei Kunden eingesetzt werden, darunter beim Logistikunternehmen Dachser am Standort Karlsruhe. Eine reguläre Großserie plant der Konzern allerdings erst für die frühen 2030er Jahre.

Konzernchefin Karin Rådström kündigte bis zum Ende des Jahrzehnts Investitionen in Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe an. Wie viel davon unmittelbar in Anlagen und Umbauten in Wörth fließt, ist bislang offen. Unklar ist auch, ob die Kleinserie in die reguläre Bandfertigung integriert oder in einem eigenen Bereich gebaut wird.

Für das Werk im Landkreis Germersheim ist die Entscheidung dennoch relevant. Wörth ist mit mehr als 10.000 Beschäftigten der größte Lkw-Montagestandort von Daimler Truck und einer der bedeutendsten Industriestandorte der Südpfalz. Neben dem Wasserstoffmodell wird dort mit dem eActros 600 bereits ein batterieelektrischer Fernverkehrs-Lkw gefertigt. Der Standort arbeitet somit an zwei unterschiedlichen Antriebswegen für den klimafreundlicheren Güterverkehr.

Mehr als 1.000 Kilometer Reichweite als Ziel

Der NextGenH2 verwendet tiefgekühlten Flüssigwasserstoff, abgekürzt sLH2. Zwei Brennstoffzellen des Herstellers Cellcentric kommen zusammen auf eine Leistung von 300 Kilowatt. Daimler Truck strebt mit dem Fahrzeug eine Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern an.

Ob sich daraus ein wirtschaftlich tragfähiges Angebot für Speditionen entwickelt, hängt jedoch nicht allein vom Fahrzeug ab. Für tiefgekühlten Flüssigwasserstoff fehlt bislang ein flächendeckendes europäisches Tankstellennetz. Viele bestehende Wasserstofffahrzeuge und Tankstellen arbeiten stattdessen mit gasförmigem Wasserstoff unter hohem Druck. Die Systeme sind nicht ohne Weiteres austauschbar.

Auch Effizienz und Kosten bleiben ein Streitpunkt. Verkehrsforscher und Umweltverbände bewerten batterieelektrische Lkw energetisch günstiger als Brennstoffzellenfahrzeuge. Für Wasserstoff-Lkw könnten dagegen die große Reichweite und kurze Tankzeiten sprechen, sofern geeignete Tankstellen und ausreichend Kraftstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar sind.

Die 100 Fahrzeuge aus Wörth sind deshalb noch kein Übergang zur Massenproduktion, sondern der nächste Praxistest. Beim Kundeneinsatz ab Ende 2026 soll sich zeigen, wie sich die Technik im Logistikalltag bewährt. Offen sind bislang unter anderem die Kauf- oder Leasingkosten, mögliche staatliche Förderung sowie der Aufbau einer nutzbaren sLH2-Tankinfrastruktur im Raum Südpfalz und Karlsruhe. Auch konkrete Auswirkungen auf Beschäftigung und Qualifizierung im Wörther Werk sind noch nicht bekannt.

Warum das Thema für die Südpfalz relevant ist

Das Werk Wörth im Landkreis Germersheim ist der größte Lkw-Montagestandort von Daimler Truck und das industrielle Rückgrat der Südpfalz mit über 10.000 Beschäftigten. Die Zuteilung von Kleinserie und Vorserienfertigung des Wasserstoff-Lkw entscheidet maßgeblich über die langfristige Standortsicherung, Wertschöpfung und Qualifikationsanforderungen im südpfälzischen Transformationsprozess.

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